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Die "WARMBAU-LAGERBEUTE System BREMER"

Die "WAMBAU-LAGERBEUTE System BREMER", von sehr vielen Imkern auch einfach "Bremer-Beute" oder kurz "WLB" genannt, besteht aus einem einfachen, aber großen Beutenkörper aus dem sehr bewährten PU-Hartschaum. Dieser Polyurethan-Hartschaum ist wetterfest und daher benötigt die Beute keinen besonderen Schutz bei der Freiaufstellung. Dieser witterungsbeständige, bestens wärmeisolierende und FCKW-freie und damit lebensmittelechte Hartschaum eignet sich daher wie kaum ein anderes Material bestens für den Bau von Bienenwohnungen. Dieser praktisch unbegrenzt haltbare Werkstoff hat eine absolute Wärmedämmung und ermöglicht dem Bienenvolk ein angenehmes Wohnen zu jeder Jahreszeit.

Der Beutenkörper der WLB ist durch ein längsseitig (von vorne nach hinten) verlaufendes senkrechtes Schied mit Absperrgitter in zwei gleichgroße Räume geteilt. Jeder dieser beiden Räume nimmt 18 Rähmchen im bewährten Kuntzsch-Hochmaß von 25 cm Breite und 33 cm Höhe (außen gemessen) auf. Die Rähmchen sind mit Trageohren in genormter Länge von 14 mm versehen und hängen quer, also in Warmbaustellung zum Flugloch und zum hinter der Beute stehenden Imker.
Die ersten Beuten dieser Bauart (als sie noch ausschließlich in Holzbauweise gefertigt wurden) hatten die Bezeichnung "Querlagerbeute". Erst später wurde die Bezeichnung "WARMBAU-LAGERBEUTE" gewählt, weil diese verständlicher ist; weil sie deutlich macht, dass die Waben in dieser Beute in beiden Räumen im sogenannten "Warmbau" hängen.
Durch die besondere Anordnung und Bauweise des Absperrgitter-Schiedes liegen Brut- und Honigraum bei der WARMBAU-LAGERBEUTE nebeneinander. Der Honigraum liegt also nicht, wie bei den herkömmlichen Beuten über, sondern neben dem Brutraum auf gleicher Ebene.


Durch diese Bauweise werden besondere Aufsätze oder Zargen (als Honigräume oder als Doppelbrutraum) grundsätzlich überflüssig und die Bearbeitung der Völker wird In beiden Räumen derart leicht, dass mit dieser Beute selbst schwerbehinderte und bewegungsbeschränkte {z.B. mit Bandscheibenleiden behaftete) Personen ohne Schwierigkeiten arbeiten können. Selbst Rollstuhlfahrer können mit der "WLB" erfolgreich und mit Freuden imkern.
Durch das völlige Fehlen von Aufsätzen als Zweit-brutraum oder Honigzarge, welche mancher Imkerin und manchem Imker die Oberbehandlung üblicher Art verleiten oder gar unmöglich machen, wird das Arbeiten mit der WARMBAU-LAGERBEUTE System BREMER auf zeitsparende und bequemste Art gewährleistet, weil jede Wabe, in jedem der beiden Räume, ohne dass vorher mehr oder weniger schwere Aufätze abgehoben werden müssen, sofort greifbar ist. Hierdurch bedingt dürfte die WLB zu den "schnellsten" und vor allem zu den bequemsten Beuten der Gegenwart gehören.
Mit insgesamt 36 Rähmchen Fassungsvermögen ist die WLB durchaus als Großraumbeute anzusehen und bietet die Möglichkeit, mit Hilfe der zur Beute gehörenden Einenge-Schiede auch schwächere Völker -je nach Jahreszeit oder Gegebenheit- schnell und zuverlässig einzuengen, oder mit dem Wachsen der Völker ganz individuell zu erweitern und damit den Raum für die Völker jeweils entsprechend genau und für das Bienenvolk förderlich anzupassen.
Zu jeder Beute gehört auch eine seitliche, an das Absperrgitter anzulegende Abdeckplatte, um den Brut- bzw. Überwinterungsraum zum Honigraum (im Winter und Frühjahr) wärmeisolierend abzudecken. Einenge-Schiede als auch Abdeckplatte sind ebenfalls aus dem bewährten PU-Hartschaum mit glatter und fester Außenfläche gefertigt und dadurch auch gegen Benagen durch Bienen oder Rankmaden gefeit.
Die Beute ist ausgestattet mit 3 besonderen Schieberblechen, die es ermöglichen, zeitweise 2 Völker/Ableger nebeneinander unterzubringen bzw. zu überwintern, um mit dem Zweitvolk/Ableger besondere Betriebsweisen durchzuführen. Außerdem werden diese Schieberbleche eingesetzt, um den Honigraum im Zusammenhang mit dem Einsatz der Bienenflucht vor dem Schleudern bienenfrei zu machen. Hierzu ist im Abschnitt TEIL C weiteres nachzulesen. Zu anderen Zwecken oder Zeiten sollten diese Blechschieber nicht verwendet werden, weil sie zu leicht angekittet werden. Um letzteres zu unterbinden, sollten die Bleche immer gut mit Melkfett (Vaseline) eingefettet sein.
Zur serienmäßigen Ausstattung zählen auch ein besonderes Flugloch-Vorsatzteil mit Wandergitter sowie ein solches mit besonderem Winter-Flugloch mit integriertem Mäuseschutzgitter.
Im hinteren Teil beider Räume sind jeweils zwei Schieber mit Gitter und festem Verschlussteil angebracht, mit deren Hilfe man eine bessere Bodenbelüftung durchführen kann. Dies besonders, um eine möglichst trockene Überwinterung zu gewährleisten und zu unterbinden, dass die Völker im Herbst/Vorwinter noch zu lange und im Nachwinter/Vorfrühling zu früh und zu unzeitig Brut pflegen. Dies ist auch im Sinne einer Varroatose-Unterdrückung sehr wichtig.
über den Waben beider Räume kann wahlweise je eine rel. stabile, glasklare Plastikfolie liegen, und darüber eine ca. 30 mm starke ROOFMATE-Platte zur oberen Wärmeabdeckung. Oder man wählt als Abdeckung ca. l cm starke und etwa 6 cm breite Holzbrettchen und je eine zusätzlich aufzulegende etwa 20 mm dicke Odenwälder Dämmplatte. Zur besseren wärmeisolierenden Abdeckung rät der Verfasser zur Abdeckung mit Folie und ROOFMATE-Platte. Außerdem bietet die durchsichtige Plastikfolie auch sonstige Vorteile, wie später im Laufe des praktischen Betriebes erkannt wird.
Unter den Rähmchen ist ein rel. hoher Freiraum, der dazu dient, einen besonders für die Beute entwickelten Bodeneinschub aufzunehmen. Dieser Bodeneinschub leistet gute Dienste bei der Varroabekämpfung, denn es gehört ein besonderes "Varroagitter" zu dessen Ausrüstung. Im zeitigsten Frühjahr -schon vor dem großen Reinigungsausflug- kann mit der Entnahme des Bodeneinschubes das gesamte Wintergemülle und der Wintertotenfall schnell und ohne große Störung für das Volk von hinten entnommen werden. (Siehe TEIL C, "Auswinterung")
Jede Beute ist serienmäßig mit besonderen Flugloch-Vorsätzen ausgestattet, welche als Wanderlüftung für eine Wanderung oder als Winterflugloch-Vorsatz mit speziellen Schutzgitter als Mäuseschutz versehen sind. Außerdem kann die Fluglochhöhe zwischen einem oder zwei Zentimeter gewählt werden.
Jede Beute hat ein eigenes Satteldach, so dass die Freiaufstellung ohne besondere Schutzeinrichtung {Bienenhaus, Freistand. Abdeckplanen usw.) möglich ist und dadurch erheblichen Aufwand (Kosten) erspart. Das aufklappbare Dach wird für die Zeit der Arbeit am Volke hochgestellt und mit einem zugehörigen Stift gegen unbeabsichtigtes Zuklappen gesichert.
An beiden Seiten des klappbaren Giebeldaches sind jeweils Lüftungsbohrungen eingebracht, welche mit einem Einsatzgitter gegen das Eindringen von Raubbienen oder anderen Schädlingen versehen sind. Diese Bohrungen sollen auch eine Überhitzung verhindern, für den Fall, dass die Beute der vollen Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist. Auch eine nicht immer auszuschließende Schwitzwasserbildung über den beiden Wabenräumen (unter dem Dach) soll dadurch verhindert werden.
Mit Hilfe der genannten "Zusätzlichkeiten", welche aber zur Standard-Ausführung der Beute gehören, wird die WARMBAU-LAGERBEUTE System BREMER zu einem universell einsetzbarer Betriebsmittel, dessen Vorteile sich erst richtig im praktischen Umgang mit Bienenvolk und Beute zeigen und die man bald zu schätzen weiß.


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Der Imker und die "neue" und "moderne" Bienenwohnung


Immer wenn eine neue Beute auf dem Markt erscheint, fragen die Imkerinnen und Imker mit Recht nach deren Besonderheiten und Vorzügen. Auch jene Imker, welche sich eigentlich keine neue Beute anschaffen wollen, werden doch Interesse zeigen und sich zumindest über die Neuheiten und Einsatzmöglichkeiten informieren.
So wird immer wieder gebeten, etwas ausführlicher Über die WARMBAU-LAGERBEUTE System BREMER zu schreiben, sowie eine "Betriebsanleitung" herauszugeben. Dies soll mit dem vorliegenden Buch geschehen und es sollen zunächst die am häufigsten von imkerlich interessierten Menschen gestellten Fragen beantwortet werden.
Da die WARMBAU-LAGERBEUTE System BREMER in Bezug auf die Anlage des Honigraumes, welcher nicht - wie allgemein üblich- über, sondern neben dem Brutraum angeordnet ist, eine Besonderheit darstellt, sind viele Imkerinnen und Imker skeptisch und zweifeln an der Möglichkeit der sicheren und vollen Ablagerung der Honigernte in diesem seitlichen Honigraum.
Grundsätzlich sollte betont werden, dass sich das praktische Imkern in der "WLB" gar nicht so sehr von der Arbeit mit herkömmlichen Beuten unterscheidet. Was in herkömmlichen Beuten von unten nach oben {Umhängen von Waben, Erweitern des Raumes) gehandhabt wird, geschieht in der "WLB" von links nach rechts oder umgekehrt.
Es können auch im Folgenden keine sogenannten "Betriebs-Anweisungen" im engeren Sinne gegeben werden. Alles was in den folgenden Abschnitten zur Betriebspraxis gesagt wird, können und sollen lediglich Empfehlungen sein. Abwandlungen in der praktischen Handhabung der Beute und der Volksbehandlung werden je nach Tracht, Witterung, Volksverfassung und Eigenart der verwendeten Biene notwendig oder möglich sein.

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Wie kam es zur Schaffung der Lagerbeute für Oberbehandlung mit Warmbau und seitlichen Honigraum?
-eine biographische Darstellung des "Erfinders" -

Fast jeder Imkeranfänger beginnt mit älteren Beuten. So erging es auch mir, als ich im 12. Lebensjahr mein erstes Bienenvolk betreuen durfte. Es saß dieses Volk (ein Schwärm) in einer alten Normalmaß-Drei-Etager-Beute mit Strohwandungen und war ausschließlich mit Halbrähmchen des stehenden Normalmaßes ausgestattet. Bis zu meiner Einberufung zum Kriegsdienst kamen noch einige dieser Beuten hinzu.
Schwerkriegsbeschädigt aus Krieg und Gefangenschaft heimgekehrt, sollte eine kleine Nebenerwerbsimkerei aufgebaut werden. Hier standen bald die verschiedensten Beutentypen mit verschiedenen Rahmenmaßen auf dem Stande, welche aus Nachlässen oder dem damals noch vor der Währungsreform blühenden Tauschhandel erworben wurden.
So lernte ich bald nach Beginn meiner Imkerlaufbahn die verschiedensten Beuten, deren unterschiedlichsten Behandlungsarten, sowie auch die Vor- und Nachteile einzelner Rahmenmaße kennen. Vor allem war es die Oberbehandlung, welche mich bald in ihren Bann zog, denn sie zeigte tatsächlich die größten Vorteile bei der Behandlung der Völker. Zur Erweiterung meiner Imkerei und vor allem auch zu deren Vereinheitlichung wurden neue, sogenannte Aufsatzbeuten mit liegendem Normalmaß beschafft. Dieser Oberlader hatte (im Gegensatz zum eigentlichen Magazin) einen fest an den Brutraumkasten angebauten Boden und nur einen einzigen, 10 Waben fassenden Honigaufsatz. Der Brutraum war zusätzlich auch von hinten zugänglich. Er hatte eine Türe und ein Fenster. Diese Beute hatte im Vergleich zum Magazin mit losem Bodenbrett den Vorteil, dass man im Brutraum nach öffnen der Türe und Wegnahme des Fensters, kleinere Eingriffe oder "schnelle" Kontrollen (z.B. Baurahmenkontrolle und dessen Austausch) leichter durchführen konnte. Ein Abheben des mehr oder weniger schweren Honigaufsatzes war nicht in jedem Falle erforderlich.
Nachdem ich dann bald eine sogenannte "Schubladen-Auszugsbeute" kennen lernte, entschied ich mich für diese (damals sehr moderne) Beute, denn nun entfiel das lästige Abhebenmüssen des Aufsatzes und auch das hinderliche und oft zeitraubende Arbeiten mit der Wabenzange bei Maßnahmen, die im Brutraum erforderlich schienen. Jedoch erkannte ich bei dieser Beute schon bald erhebliche betriebstechnische als auch herstellungsmäßig bedingte Mängel. Ich stellte mich erneut um und zwar auf eine Auszugsbeute mit Schienenauszügen in solider, einfachwandigen Holzausführung. Von dieser Beute konnte ich in den zwischenzeitlich gebauten Bienenhaus mit Arbeitsraum insgesamt 39 Stück (3 Etagen mit je 13 Beuten) unterbringen. Die Oberbehandlung, die solide Bauweise und vor allem die Stapelfähigkeit begeisterten mich und ich war jahrelang mit dieser Beute zufrieden, was nicht ausschloss, dass auch andere Beutentypen in Einzelexemplaren immer wieder studienhalber besetzt und erprobt wurden. So auch die verschiedensten Magazine und auch einige Schienen-Auszugsbeuten mit 3 Vollräumen.
Gerade bei den Magazinen und den Auszugsbeuten mit 3 Vollräumen musste ich feststellen, dass die darin betreuten Völker zu größerer Stärke heranwachsen konnten; dass diese starken Völker weniger und vor allem nicht so früh in Schwarmstimmung kamen, und dass diese stärkeren Völker auch konstant die höchsten Erträge brachten.

Versuchsbeute mit vorderem Brut- und hinteren Honigraum mit Ka1tbau-Wabenstellung. 
Zusätzlich ist ein kleiner Honigraum mit Kuntzsch-Hoch-Halbrahmen über dem vorderen Brutraum aufsetzbar. 
Die Bienen füllten auch den hinteren Honigraum völlig problemlos mit Honig. Der Aufsatz ist überflüssig.

Eine Standerweiterung auf 70 Wirtschaftsvölker kam danach nur mit Magazinen in Frage, zumal das Magazin zusätzlich den Vorteil bot, ohne zusätzliches Bienenhaus auszukommen. Die Magazine eigneten sich gut für die Freiaufstellung auf Außenständen.
Vor allem begeisterte mich damals ein selbstgebautes Magazin mit Großwaben von 37 cm Breite und 33,5 cm Höhe in der Brutzarge. Als Honigaufsätze wurden die schon vorhandenen Zargen für Normalmaß verwendet.
Bald aber war mir das Arbeiten mit den schweren Zargen und auch den recht unhandlichen Großwaben wegen meines sich immer mehr verschlimmernden Bandscheibenleidens kaum noch möglich und ich stellte mich langsam auf ein Magazin mit Flachrähmchen {16,5 cm hoch und 37 cm breit) um. Wegen der guten Schichtenbeweglichkeit dieser Flachzargen wurde dieses Magazin auch "Schichtenbeute" genannt.
Zwischenzeitlich hatte ich mir die gerade auf dem Beutenmarkt erschienene Längslagerbeute von GOLZ in 3 Exemplaren beschafft und besetzt. Dies geschah aus zwei Gründen. Einmal wollte ich dem Erfinder beweisen, dass diese Beute "widernatürlich" sei und eine Honigablagerung in einem hinter dem Brutraum, also auf gleicher Ebene liegenden Honigraum falsch sei und dadurch mit Sicherheit Ertragseinbußen bringen müsse. Zum Zweiten hegte ich die stille Hoffnung, dass diese Beute, - sollte sie wider Erwarten doch funktionieren - eine bequeme und leicht zu bearbeitende Beute zu finden und damit meinen Rücken zu entlasten.
Um aber ganz schlüssig beweisen zu können, dass ein über dem Brutraum befindlicher Honigraum von den Bienen deutlich bevorzugt wird, ließ ich mir zwei weitere Längslagerbeuten bauen, welche im vorderen Brutraum, als auch im hinteren Honigraum je 12 Kuntzsch-Hochwaben fassten und zusätzlich mit einem 12 Halbrähmchen (je 16,5 cm hoch} fassenden Honigaufsatz ausgestattet waren. Umseitige Abbildung zeigt eine dieser Versuchsbeuten mit zusätzlichem halben Honigaufsatz über dem Brutraum.
So hatten diese beiden Versuchs- und Vergleichsbeuten je einen Honigraum hinter, und einen kleinen Honigraum über dem Brutraum. Jetzt, so hoffte ich, müsste sich beweisen lassen, dass ein Honigraum, welcher auf gleicher Ebene wie der Brutraum lag, "widernatürlich" und damit falsch sei und Ertragsminderungen bringen müsse.
Zu meiner großen Überraschung musste ich aber schon in der nächsten Tracht feststellen, dass die Vergleichsvölker nicht nur die über dem Brutraum aufgesetzten halb hohen Aufsätze, sondern auch die hinteren Honigräume mit Honig füllten. So konnte ich also nicht nachweisen, dass ein Honigraum, welcher auf gleicher Ebene wie der Brutraum liegt, falsch ist. Auch Ertragseinbußen kamen bei keinem der Vergleichsvölker auf.
Diese Feststellung überraschte mich derart, dass ich an meinen Lehrmeistern und deren Lehren zu zweifeln begann. Alle namhaften Imker und Fachbuchschreiber, alle Beutenhersteller dieser Zeit behaupteten immer wieder, dass die "natürliche" und damit richtige Lage des Honigraumes über dem Brutraum sei. Die Völker in meinen Vergleichsbeuten bewiesen mir aber, dass der Honig auch dann ordnungsgemäß und voll erntbar gelagert wird, wenn der Honigraum nicht über, sondern auf gleicher Ebene mit dem Brutraum liegt.
Dies war für mich umso verblüffender, als auch die befürchtete Ertragsminderung und das "Verhonigen" des Brutnestes ausblieben. Alle Lagerbeutenvölker brachten faktisch die gleichen Erträge wie meine Magazin- und Großraum-Auszugsbeuten.
Nun hatte ich eine Beute gefunden, welche mir mit sehr viel weniger Kraft- und Arbeitsaufwand als beim Arbeiten mit Magazinen, gleiche Erträge brachte. Eines jedoch störte mich schon bald; um die Waben des Brutraumes herauszunehmen, musste ich mich vorbeugen, den Oberkörper verschränken, mit einer Hand Übergreifen und die Waben nach oben herausziehen. Dies bereitete mir aber (hinter der Beute stehend) Schmerzen im Rücken. Ich sann nach einer Lösung.
Es wurde eine Original-Längslagerbeute GOLZ um 90 Grad gedreht und in die bisherige Beutenseitenwand je ein Flugloch in Brut - und Honigraum eingefräst. Mach dieser Änderung lag nun der vorher vorne liegende Brutraum links und der Honigraum rechts daneben und die Waben hingen nunmehr in Querstellung zu den Fluglöchern. Nun hatte ich neben der bequemeren Bearbeitungsmöglichkeit auch zusätzlich den Vorteil der von mir so geschätzten und in der Praxis oft vorteilhaften Warmbaustellung der Waben.
Jetzt konnte ich die nunmehr in Warmbaustellung hängenden Waben bequem, ohne Verschränken des Oberkörpers, ohne "über die Hand" arbeiten zu müssen, herausnehmen und wieder einhängen.
Wenn die Völker den Honig in einen hinter dem Brutraum befindlichen Honigraum einlagern, dann müssten sie dies auch in einem seitlichen Honigraum tun, zumal die einzelnen Wabengassen des Brutraumes sich über das Absperrgitter in den Honigraum fortsetzten. Diese damalige Vermutung bestätigte sich in vollem Umfang. Der seitliche Honigraum neben dem Brutraum wird gut und ordentlich mit Honig gefüllt!
Nach diesen ersten guten Erfahrungen wurden sogleich 6 Beuten mit seitlichem Honigraum gebaut und ich nannte sie damals - weil die Wabenrähmchen quer zum Flugloch hingen - schlicht und einfach "QUER-Lagerbeute". Auch diese selbstgebauten Beuten mit seitlichem Honigraum bewährten sich bestens.
Nun hatte ich endlich eine Beute, mit der ich ohne großen Zeit - und Kräfteaufwand und vor allen ohne körperliche Beschwerden arbeiten und somit weitaus bequemer als je zuvor alt einen anderen Beutentyp volle Honigerträge erzielen konnte. Die Folge war, dass ich in den Jahren 1971/72 meinen gesamten Imkereibetrieb auf diese neue Beute (heute "WARMBAU-LAGERBEUTE System BREMER" genannt) umstellte und alle anderen noch vorhandenen Beuten (Magazine und Auszugsbeuten) abschaffte. So arbeite ich nunmehr seit dem Frühjahr 1972, also mehr als 20 Jahre lang, ausschließlich mit dieser Lagerbeute und nachweislich bestem Erfolg, den viele Imker, die meine Imkerei kennen, voll bestätigen können.
Ich hielt es für wichtig, die Entstehung der Lagerbeute mit Hochwaben in Warmbaustellung und seitlichem Honigraum ausführlich zu beschreiben, um bestimmte Zweifel über deren Entstehung nicht aufkommen zu lassen.

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