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Das Flugloch

Sehr oft wird der Verfasser gefragt, wann welches Flugloch freigegeben bzw. geschlossen bleiben muss. So wird z.B. oft angenommen, das Flugloch der WLB sei zu klein, wenn man das Vorsatzteil mit dem nur ca. 8 mm hohen Flugloch verwendet. Als ehemaliger Magazinimker war man vielleicht in der Lage, bei seinen Magazinen ein recht breites Flugloch (gar bis zu etwa 35 cm Breite und mehr) freizugeben. Ein solch breites Flugloch kann bei der WBL nicht freigegeben werden, weil der Brutraum ja nur 26,5 cm im Lichten breit ist.
Wenn ein Volk aber im Frühjahr noch nicht voll erstarkt ist und den Honigraum noch nicht besetzt, dann genügt dieses Flugloch von ca. 8 mm Höhe und ca. 23 cm Breite vollkommen. Auch unmittelbar nach der Eröffnung des Honigraumes ist dieses Flugloch meist noch ausreichend groß. Nachdem aber die Außentemperaturen nach den Eisheiligen (auch nachts) ansteigen und die Völker auch schon recht stark geworden sind, dann schiebt man das Vorsatzteil mit dem ca. 2 cm hohen Flugloch vor den Brutraum. Damit hat man ein sehr großes Flugloch, welches dem eines Magazins durchaus gleich ist, denn
2 x 23 cm entspricht einem Flugloch von ca. 8 mm Höhe und mehr als 46 cm Breite. Dies genügt vollkommen.
Im Hochsommer, wenn die Außentemperaturen sehr hoch sind, kann das Vorsatzteil vor dem Brutraum gänzlich weggelassen werden. Hierdurch ergibt sich ein tatsächliches Flugloch von ca. 23 cm Breite und
3 cm Höhe.
Wenn Brutwaben umgehängt wurden, so ist nicht vollkommen auszuschließen, dass auch Drohnenbrut in den Honigraum umgehängt wird, welche bald schlüpft. Diese dann im Honigraum befindlichen Drohnen wollen aber bald ausfliegen und werden, weil das Flugloch den Honigraumes geschlossen ist, am Absperrgitter nach dem Weg zum Flugloch suchen und hier umhertoben und das Volk unter Umständen stark beunruhigen. Hier hat sich als Vorteil erwiesen, wenn man das Vorsatzteil mit dem Glasröhrchen der Bienenflucht vor den Honigraum gibt. Das Ende des Glasröhrchens sollte zum Flugloch des Brutraumes hinzeigen. Durch dieses Glasröhrchen der Bienenflucht fliegen danach die Drohnen ab und fliegen, nachdem sie sich orientiert und entleert haben, über das Brutraum-Flugloch in den Brutraum des Volkes zurück.
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Das Flugloch des Honigraumes bleibt grundsätzlich geschlossen und wird nur in besonderen Ausnahmefällen kurzfristig geöffnet. Würde man während der Trachtzeit das Honigraumflugloch (aus welchem Grunde auch immer) öffnen, so wird man erleben, dass die ersten 3-5 Honigraumwaben hinter dem Flugloch zunächst nicht zur Honigspeicherung von den Bienen verwendet werden. Sie bleiben also fast vollkommen leer. Dies ist auch ganz leicht erklärlich, denn die Bienen tragen den Honig (Nektar) erfahrungsgemäß immer zunächst in Brutnähe und dann später zur endgültigen Ablagerung in Fluglochferne, denn hier ist er dem leichten Zugriff durch Feinde (Raubbienen) entzogen.
Ein weiterer Nachteil ist, dass die Bienen aus dem Flugloch des Honigraumes heraus ihren ersten Ausflug mit dem anschließenden Vorspiel machen und danach auch wieder in das Honigraumflugloch einfliegen. So werden diese Bienen, nachdem sie zu Trachtbienen geworden sind, ständig und ausschließlich das Honigraumflugloch benutzen und dann wird man erleben, dass im Honigraum massenweise Pollen auf den Waben abgelagert wird.
Bei starken Völkern und bei Volltracht gibt der Verfasser gerne die Bienenflucht mit dem Glasröhrchen vor den Honigraum. Das Ende des Röhrchens muss mit seiner äußeren Öffnung zum Flugloch des Brutraumes hinzeigen. In diesem Falle fliegen sehr viele Bienen aus dem Honigraum, durch die Bienenflucht auf Trachtflug aus und kehren aber bei ihrer Rückkehr vom Sammelflug zum Flugloch des Brutraumes ein, weil sie das kleine Loch des Glasröhrchens nicht finden. So kann man sehr vielen Bienen während der Tracht den Ausweg zum Trachtflug aus dem Honigraum durch das Absperrgitter, über den Brutraum nach draußen ersparen.
Bei schwächeren Völkern, oder bei Ablegern, welche in der WARMBAULAGERBEUTE untergebracht worden sind, wird das Vorsatzteil mit dem nur 8 mm hohen Flugloch vorgesetzt. Um das Flugloch noch kleiner zu machen und der Stärke des Ablegers oder Volkes anzupassen, legt man einfach ein Holzklötzchen oder eine Rähmchenleiste so an, dass die gewünschte oder erforderliche Fluglochgröße erreicht ist.
Im Winter wird dem starken Wirtschaftsvolk das Vorsatzteil mit dem Mäusegitter vorgesetzt.

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Das Nelkenöl-Tuch

Irgendwann las ich einmal in einem Imker-Fachbuch, dass man Nelkenöl zur "Vertreibung" von Bienen bei der Praxis der Arbeit am Volke verwenden kann. Probiert hatte ich es aber nie, weil ich gewohnt war -und eigentlich auch gar nichts anderes wollte - mit Rauch am Volke zu arbeiten. Während der Zeit meiner Magazin-Imkerei arbeitete ich mit dem Rauchbläser "Vulkan" und war damit eigentlich gar nicht so recht zufrieden. Oft müsste ich den Rauchbläser verwenden und dabei fehlte mir dann bei der praktischen Arbeit die zweite Hand, weil sie den Bläser bedienen musste. So kehrte ich bald wieder zur altbewährten Imkerpfeife zurück. Diese war vor allem dann angebracht, wenn an den Völkern jeweils nur kurze Eingriffe zu verrichten waren. Als dann auch noch die Imkerei wegen meiner angeschlagenen Gesundheit beträchtlich verkleinert werden musste, und das Anzünden und der Betrieb des "Vulkan" regelrecht überflüssig, erschien, weil er so viel Füllung brauchte, sowie oft schwer anzuzünden und in Betrieb gehalten werden konnte, war die alte Bienenpfeife völlig ausreichend und zufriedenstellend.
Die Verwendung von Nelkenöl als Mittel, die Bienen bei der Behandlung zu befriedigen, wurde bei mir erst wieder durch Herrn Dr. FAHR in Erinnerung gebracht. Nun wurde das, was ich bei Herrn Dr. FAHR . sah, auch auf meinem Stande durchgeführt und danach habe ich mich in den letzten Jahren fast ausschließlich auf die Verwendung dieses Abwehrmittels so eingearbeitet, dass ich es nicht mehr vermissen möchte. Neben der guten besänftigenden Wirkung des Nelkenöl-Geruches auf die Bienen ist noch ein weiterer Vorteil zu nennen. Meine dritten Zähne sind bei der Verwendung der altgewohnten Bienenpfeife nicht ganz so gut tauglich, wie bei den echten Zähnen gewohnt.
Was ist nun aber ein "Nelkenöl-Tuch"?
Ein Kuchentuch nicht mehr ganz neu - mit einer Größe von ca. 30 x 30 cm wird in einen dicht schließenden Behälter eingelegt. Ich verwende dazu einen Kunststoffbehälter von "RUPPERMAID", welcher . mit seinen dicht schließenden Falzen bestens brauchbar ist. Auf dieses Tuch träufelte ich vor Jahren, vor der ersten Verwendung, etwa 10 ccm reines Nelkenöl und drückte den dicht schließenden Deckel der Dose wieder auf. Nach einigen Tagen hatte sich das Nelkenöl in den Fasern des Tuches verteilt und war verwendungsfähig geworden. Dazu öffnen man zunächst vor dem Abnehmen der Abdeckfolie die Dose und entnimmt das duftende Tuch. Jetzt hebt man die Folie von hinten ein wenig an und hält das Tuch an den entstehenden Spalt, Bei warmer Witterung verteilen sich die "Dämpfe" des Nelkenöles besonders schnell. Die Bienen versuchen sofort auf den Waben nach unten zu laufen und somit den Düften zu entfliehen. Nun hebt man die Folie soweit ab, wie es für die durchzuführende Arbeit notwendig erscheint und legt das Nelkenöl-Tuch ausgebreitet einige Sekunden auf die Rähmchenoberseite. Die Bienen verlassen die Trägerleisten der Rähmchen und man kann nun - ohne durch die Bienen belästigt zu werden - die einzelnen Waben herausnehmen.
Nach einer gewissen Zeit drängen natürlich die Bienen wieder nach oben, weil der Nelkenöl-Duft verflogen ist. Jetzt genügt es, mit dem duftenden Tuch leicht über die Rähmchen-Oberträger zu wedeln, um die Bienen erneut nach unten zu treiben.
Wenn man das Tuch einige male in der Hand hatte, oder gar die Hände mit dem Tuch abreibt, dann kann man feststellen, dass die Bienen sogar vor den duftenden Fingern davonlaufen.
Nach beendeter Arbeit wird das Tuch wieder in die dicht schließende Dose zurückgegeben, in der auch das Fläschchen mit dem restlichen, noch nicht verwendeten Nelkenöl aufbewahrt wird.
Einmal ausreichend mit Nelkenöl beträufelt, reicht das meist über mehrere Jahre völlig aus. Voraussetzung ist allerdings eine dicht schließende Dose. Im Bedarfsfalle wird einfach noch einmal etwas Nelkenöl nachgeträufelt. Ich verwende seit etwa 8 Jahren ein solches Fläschchen mit 50 ccm Inhalt und es ist nur zur Hälfte verbraucht.
Nelkenöl mit dem lateinischen Namen "Oleum Caryophylli rectific" ist in jeder Apotheke oder über Drogerien preisgünstig zu haben. Derzeit (Ende 1994) liegt der Preis für ein Fläschchen mit 25 ccm Inhalt bei etwa 10,00 DM. Also eine durchaus preiswerte Sache.

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Der "Wabenheber"

Einer meiner Freunde musste vor einigen Jahren wegen eines Unfalles die Imkerei aufgeben. Er verlor durch einen Unfall an beiden Händen jeweils das erste bzw. das zweite Glied (außer den Daumen). Danach war es ihm nicht mehr möglich, zu imkern. Immer fehlte ihm zum Heben und Bewegen der Waben die gewisse "Fingerfertigkeit"; so jedenfalls bezeichnete er seine Behinderung.
Als ich 1988 wegen meiner Herzoperation (3 Bypasse) in das Krankenhaus musste, bot er sich an, gelegentlich ein Augenmerk auf meinen Stand zu haben. Es war im April und die Völker mussten nicht nur erweitert, sondern es mussten auch, wegen der einzubringenden Frühtracht die Honigräume geöffnet werden.
Als er mich nach der Operation im Krankenhaus besuchte, berichtete er mir stolz, dass Tracht herrsche und die Honigräume einiger Völker schon offen seien, er habe dies erledigt. Und die anderen anstehenden Arbeiten werde er auch erledigen. Er habe eine "Entdeckung" gemacht. Er berichtete, dass er beim Bienen-Gerätehändler einen "Wabenheber" gesehen habe und da sei ihm klar geworden, dass er dieses "Ding" unbedingt ausprobieren müsse. Er konnte mit seinen "Fingerstummeln" mit diesem "Wabenheber" ganz zufriedenstellend arbeiten und so sei es ihm möglich geworden, bei meinen Völkern ohne fremde Hilfe die erforderlichen Arbeiten durchzuführen. Nach meinem Krankenhausaufenthalt konnte ich mich von dieser Tatsache überzeugen.
Heute verwende auch ich diesen "Wabenheber" besonders dann gerne, wenn die Völker durch Kittharz stark verkittete und damit sehr festsitzende Einzelwaben haben. Hit Hilfe des "Wabenhebers" kann man diese Verkittungen bestens lösen. Ganz besonders schätze ich aber den "Wabenheber" dann, wenn meine Völker im Nachsommer beginnen, sehr stark Propolis (Kittharz) zu verwenden und man dann beim hantieren oft sehr unangenehm klebrige Hände bekommt. Auch im Frühjahr hat man noch mit dieser lästigen Verkittung zu tun und dann ist der "Wabenheber" mein bester Freund.
übrigens: Mein Freund imkert wieder und zwar mit meiner Lagerbeute.

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Die 3 Schieberbleche am Absperrgitterschied

Zu jeder WARMBAU-LAGERBEUTE gehören 3 Schieberbleche aus Aluminium. Diese werden jeweils von oben senkrecht am Absperrgitter entlang eingeschoben, um den Brutraum vom Honigraum zu trennen. Dies vor allem, um vor der Schleuderung mit Hilfe dieser Schieberbleche und der vor den Brutraum anzubringenden "Bienenflucht" den Honigraum nahezu bienenfrei zu machen.
Auch dann, wenn man zwei Völker nebeneinander unterbringen will, werden diese Schieberbleche eingesetzt, um die beiden Völker (jeweils eines im Brut- und eines im Honigraum) bienen- und geruchsdicht voneinander zu trennen.
Damit die Bienen aber diese Bleche dann, wenn sie längere Zeit eingeschoben bleiben, nicht total mit Propolis (Kittharz) verkleben, müssen diese Bleche gut eingefettet sein. Dies geschieht mit einfacher Vaseline oder mit "Melkfett", welches man beim Landhandel oder Über jede Drogerie rel. billig erwerben kann.
Damit diese Verkittung am oberen Rande des Absperrgitterschiedes auch dann nicht aufkommt, wenn diese Schiede nicht eingeschoben sind (es entsteht ja ein schmaler Schlitz, den die Bienen nicht dulden und verkitten), werden der Beute bei der Lieferung 3 kleine Winkelbleche als gewisse "Blindschiede" beigefügt. Diese kleinen Blindschiede sollten grundsätzlich ständig eingesetzt sein und werden nur dann herausgenommen, wenn es darum geht, die Schieberbleche zum Abdichten beider Räume in diese dann vorhandenen oberen Schlitze einzuschieben.
Als vorteilhaft hat sich erweisen, wenn auch diese kleinen Blindschiede vor den ersten Einsetzen gut mit Vaseline oder Melkfett eingefettet wurden. Verfasser schmiert dieses Melkfett auch schon vor dem ersten Besetzen der Beute mit Fingerdruck in die oberen Schlitze und drückt das Fett damit nach unten in den Schlitz hinein.

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Unsere "Varroafalle", eine Varroabekämpfung ohne Chemie

(Nachdruck aus der Festschrift zum 110- jährigen Bestehen des 
"Bienenzüchterverein Gießen und Umgebung e.V." vom 26. August 1990)

Schon bald nachdem die Varroamilben bei uns festgestellt wurden, erfuhren wir durch Hinweise und eigene Bobachtungen, dass die Varroa-weibchen sich vorwiegend in den Drohnenbrutzellen vermehren. Es wurde dazu Übergegangen, den Baurahmen nicht schon dann auszuschneiden, wenn er offene Brut hatte, sondern erst dann, wenn die Drohnenbrut vollständig verdeckelt war. Diese danach im Sonnenwachsschmelzer eingeschmolzenen Waben offenbarten uns aber bald, dass die "Auslese" an Varroa ganz gering war, während wir feststellen mussten, dass die Drohnenbrut an den unteren Wabenrändern der Brutwaben, wenn wir diese Drohnenzellen nach der Verdeckelung mit dem Hesser "köpften", oft beträchtliche Mengen an Varroa zutage brachten. Zunächst glaubten wir, dass es die besonderen Wärmeverhältnisse am unteren Wabenrand sind, welche uns diese massenhafte Anhäufung von Varroen an diesen Waben zeigte.
Der Baurahmen als "Varroafalle" brachte uns also keine nennenswerte Ausbeute an vernichteten Varroen! Wir suchten nach einer anderen Lösung, um dies zu ändern.
Es fiel uns auf, dass in trachtloser oder trachtarmer Zeit der Baurahmen nicht oder nur spärlich ausgebaut und ebenso unregelmäßig bebrütet wurde, während die Drohnenzellen an den unteren Wabenrändern der Brutwaben ständig, auch bei Trachtmangel bebrütet wurden und Varroen enthielten. So kamen wir auf den Gedanken, schön ausgebaute und bebrütete Drohnenwaben über 24 und mehr Stunden in der Tiefkühltruhe einzufrieren und damit Brut und Varroen abzutöten. Danach wurden diese Waben in aufgetautem Zustand den Waldameisen und vor allem den Vögeln zum Ausfressen gegeben. Nun wurden diese schon ausgebauten und schon einmal bebrüteten Drohnenwaben wieder in die Völker gehängt. Wir mussten erstaunt feststellen, dass diese schon bebrüteten und von den Vögeln "gereinigten" (aber auch etwas ramponierten) Drohnenwaben schon l bis 2 Tage später bestiftet waren, während daneben hängende schon ausgebaute Jungfern-Drohnenwaben des Baurahmens von der Königin zunächst ignoriert wurden.
Damit hatten wir eine Möglichkeit gefunden, ununterbrochen geeignete Drohnenbrut als "Varroafalle" im Volke zur Verfügung zu haben.
Eine weitere, für uns erstaunliche Feststellung war, dass wir in den "alten" Drohnenwaben um so mehr Varroa fanden, als die Wabe jeweils dunkler, also mehrfach bebrütet gewesen war. Es stehen uns leider keine genauen Vergleichszahlen zur Verfügung, aber es war deutlich erkennbar, dass in den mehrfach bebrüteten, dunklen Drohnenwaben deutlich mehr Varroen gefunden wurden, als im Jungfernbau des Baurahmens. Oft war die Brut im Baurahmen völlig ohne Varroen, während in den dunklen Drohnenwaben im gleichen Volk und zu gleicher Zeit viele Varroen gefunden wurden.
Nun hatten wir den Beweis dafür, dass wir mit mehrmals bebrüteten, dunklen bis schwarzen Drohnenwaben deutlich mehr Varroaweibchen samt Nachkommen abfangen konnten. Eine gefahrbringende Vermehrung war damit ausgeschlossen. Für die praktische Anwendung dieser "Varroa-Falle" war uns aber die Verwendung des Baurahmens nicht geeignet genug. Man müsste kleinere Drohnenwaben haben und dafür mehrere zugleich im Volke und an verschiedenen Stellen im Brutnest. Diese kleineren Drohnenwäbchen müssten auch unterschiedlich alte Brut enthalten, so dass die Drohnen-Varroa-Falle nicht nur in Abständen wirksam wird. Es müsste bei jeder Volkskontrolle (etwa alle 9 Tage) jewei1s ein Wäbchen mit verdeckelter Drohnenbrut entnommen und durch ein anderes, brutfreies, ersetzt werden. So könnte die Varroabekämpfung kontinuierlich in die Betriebsweise als "flankierende Maßnahmen" eingebaut werden.
unsere gegenseitiger Meinungs- und Erfahrungsaustausch brachte uns zu dieser Betriebsmethode, die uns heute garantiert, dass die Varroatose uns kein Volk vor der Einwinterung schwächt oder gar vernichtet. Ja, wir hegen sogar -wie wir glauben- die berechtigte Hoffnung, dass wir bei konsequenter Anwendung unserer "Varroa-Falle" in Zukunft mit nur ganz geringen Anwendungen von zugelassenen Medikamenten auskommen oder gar gänzlich darauf verzichten können.
Bei konsequenter Entnahme der "Varroa-Falle" im Frühjahr und Sommer 1989 wurden im Vorwinter 1989 selbst bei mehrmaliger Anwendung von Perizin in keinem unserer Völker mehr als 50 Varroen auf den Unterlagen festgestellt. Damit ist die Zweckmäßigkeit und der Nutzen der Drohnen-Varroafalle bewiesen! Wir setzen allergrößte Hoffnung auf diese Methode !
Zur Praxis folgendes:
Schlecht ausgebaute Arbeiterinnenwaben werden halbiert und mit, einem unteren Rähmchenleistchen versehen; Halbrähmchen gefertigt. Es werden weitere Halbrähmchen (ohne Trageohren) gefertigt, gedrahtet und mit Drohnenzellen-Mittelwänden versehen und anschließend mit Rähmchenklammern an die halben Arbeiterinnenwaben angehängt und damit zu einer geteilten Ganzwabe hergerichtet. Eine solche Wabe hängt man an den Rand des Brutnestes. Nach 9 Tagen Kontrolle. Die Drohnenwabe ist meist ausgebaut und auch bebrütet, aber noch nicht verdeckelt. Bei dieser Kontrolle erfolgt das Einhängen einer weiteren Arbeiter-Halbwabe mit angeklammerter Halbwabe mit Drohnen-Mittelwand. Diese zweite Varroafalle kommt nun auf die andere Seite des Brutnestes.
Nach weiteren 9 Tagen ist wieder eine Kontrolle durchzuführen und nun wird die zuerst eingehängte Varroafalle entnommen und durch eine andere ersetzt. Diese erste halbe Drohnenwabe ist nun, etwa 18 Tage nach dem Einhängen vollständig mit verdeckelter Drohnenbrut belegt. Sie wandert in die Gefriertruhe, um nach 24-48 Stunden herausgenommen, aufgetaut und den Vögeln an geeigneter Stelle zum Ausfressen angeboten zu werden. So wird der Austausch, wenn genügend Halbwaben mit Drohnenbau vorhanden sind, jeweils nicht mehr mit Drohnen-Mittelwand, sondern mit schon bebrütet gewesenen Drohnen-Halbwaben, d.h. mit "Varroa-Fallen" vorgenommen und bald wird man feststellen, dass in diesen Drohnenwaben je mehr Varroen gefunden werden, je öfter diese bebrütet wurden. Je dunkler die Wabe, je höher das Fangergebnis!. Warum dies so ist, können wir zwar vermutend erklären, aber nicht beweisen. Hier sind unsere Bienenwissenschaftler gefordert.
Die Verwendung des Baurahmens in der bisher geübten Weise sollte auch weiterhin in gewohnter Form zur Wachsgewinnung praktiziert werden.
Die praktische Arbeit mit der "Varroa-Falle" ist einfacher als man beim Lesen den Eindruck hat. Die Kontrollen der Völker müssen ohnedies in gewissen Abständen durchgeführt werden und dabei lässt sich die Verwendung des Halbrähmchens als Varroafalle durchaus als flankierende Maßnahme ohne besonderen Aufwand einbauen. Wenn anfänglich bei den Kontrollen nur wenige Varroen gefunden werden, so darf man nicht mutlos werden. Einmal sind in den zunächst noch jungfräulichen Waben ohnedies nur wenige Varroen und zweitens sind - das sollte man beachten- nur wenige Varroen im zeitigen Frühjahr in den Völkern vorhanden. Man bedenke aber, dass mit jeder einzelnen Varroa im April und Mai jeweils Stamm-Mütter weggefangen werden, welche sich, würden sie nicht abgefangen bis zur Zeit der Einfütterung, also die Zeit der Entstehung der Überwinterungsbienen um mehr als das Zehnfache vermehren. Man rechne einmal nach und man wird erkennen, dass unsere Varroafalle eine echte Bekämpfung ohne Chemie ermöglicht.

J.E. Bremer, Imkermeister, Bienen-Sachverständiger und 
Ewald Spengler, Bienen-Sachverständiger

Nachtrag des Verfassers in Februar 1995:
Nachdem wir nun seit 8 Jahren konsequent nach dieser Methode unsere "flankierende Maßnahme" als chemielose Varroabekämpfung durchführen, mussten wir auch im letzten Winter (94/95) nach Anwendung von chemischen Bekämpfungsmitteln (als Kontrolle) feststellen, dass die Anwendung der "Varroafalle" sich bestens bewährte. Wir kommen heute mit einer zusätzlich und sicherheitshalber im August durchgeführten einfachen Anwendung von Ameisensäure in Form der Illertisser Milbenplatte im August vollkommen aus. Auch bei dieser Säureanwendung fallen nur noch wenige Varroen, so dass wir heute auf die rückstandbildenden "Medikamente" vollkommen verzichten können.

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Schlusswort

Voller Hoffnung und Zuversicht sowie großem Eifer wurde mit dem Schreiben für dieses Druckwerk begonnen. Je mehr aber geschrieben wurde, um so mehr wurde auch wieder verworfen und dem Papierkorb übergeben, denn ich musste feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, ein Werkchen zu verfassen, das allen Lesern etwas bringen sollte.
So kam es, dass letztendlich doch nicht alles niedergeschrieben und abgedruckt wurde, was zunächst beabsichtigt war. Dies deshalb, weil ich erkannte, dass diese oder jene Maßnahme zwar in der Regel und bei mir und meinen Freunden, in unserer Tracht und in unserer Klimalage und mit unserer sanften und fleißigen sowie brutfreudigen CARNIKA-Biene gut sein mag, aber doch keine pauschale Gültigkeit besitzen kann, weil anderswo andere Verhältnisse vorliegen. So blieb zum Schluss nur das, was als allgemeingültig angesehen wurde.
Wenn die erfahrene Imkerin oder der erfahrene Imker hier und da etwas entdeckte, was nicht ganz der eigenen Erfahrung entspricht, so bitte ich um Nachsicht, und bitte auch vor die Kritik die eigene Überlegung zu setzen und die praktische Durchführbarkeit dieser oder jener von mir beschriebenen Praxis erst einmal zu erproben.
Dankbar wäre ich jedoch für jeden guten Rat gleich welcher Art und jeden guten Hinweis zur Praxis, den ich mit Sicherheit erproben und bei Bewährung übernehmen werde; und ich bin sicher, dass danach die möglicherweise zweite Auflage dieses Büchleins sehr viel besser und auch umfangreicher sein wird.
Wenn in der vorliegenden Schrift keine grundsätzlichen (oder nur wenige) der elementaren Lehren enthalten sind, so geschah dies mit Absicht. Die Kenntnis über das Leben der Bienen und deren Gesetzmäßigkeiten im Lebensrhythmus und ähnliche Dinge mehr sollte sich der Imker-Neuling) an anderer Stelle, z.B. durch gute entsprechende und ausreichend vorhandene Fachliteratur oder durch den Besuch von Lehrgängen, welche von unseren Instituten und Verbänden durchgeführt werden, aneignen.
Trotz allem übergebe ich der Imkerschaft diese Schrift, welche ganz sicher kein "Lehrbuch" im üblichen Sinne und schon gar kein "Bestseller" unter den Bienenbüchern sein will, mit der Genugtuung, einiges zur Förderung oder zumindest doch zur Erhaltung unserer edlen und für die Volkswirtschaft lebenswichtigen Imkerei getan zu haben.

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